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Behandlung mit Faktorpräparaten

In der Hämophilie-Therapie wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute große Therapiefortschritte erzielt. Verstarben zu Beginn des letzten Jahrhunderts von Hämophilie Betroffene im Median noch im Alter von acht bis elf Jahren, können sie heute im Regelfall eine ähnliche Lebenserwartung wie die männliche Allgemeinbevölkerung erreichen.1 Einen wichtigen Anteil daran hat die Substitutionstherapie mit Faktorkonzentraten: Hämophilie beruht entweder auf dem Mangel an Faktor VIII (Hämophilie A) oder Faktor IX (Hämophilie B), welche sich die Patient:innen in regelmäßigen Abständen intravenös spritzen und so ein nahezu normales Leben führen können.2,3 Es stehen plasmatische und rekombinante Faktorpräparate für die Behandlung zur Verfügung.4

Lange Zeit wurden Hämophilie-Patient:innen nach Bedarf behandelt, d. h., sie erhielten die Faktorpräparate, um akute Blutungen zu stoppen.3 Inzwischen ist die prophylaktische Faktor-Gabe Therapiestandard.3 Denn es zeigte sich, dass die prophylaktische Faktorgabe das allgemeine Blutungsrisiko senkt, zu einer Verbesserung der Gelenkgesundheit beiträgt und Schmerzen reduziert, wodurch sich die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert.3,5 Mit der Therapie sollte daher möglichst früh begonnen werden: Bei der erblichen Hämophilie erweist sich ein früher Therapiestart noch vor dem zweiten Geburtstag als vorteilhafter gegenüber einem späteren Therapiestart im Alter von drei bis fünf bzw. sechs und neun Jahren.5

Arten von Faktorpräparaten 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Hämophilie-Patient:innen mit Vollbluttransfusionen behandelt.6 Der Einsatz von Blutplasma, in dem alle Gerinnungsfaktoren enthalten sind, zum Stillen von Blutungen wurde vor allem während des Zweiten Weltkriegs weiterentwickelt.6 Bei Hämophilie-Patient:innen zeigte diese Behandlung jedoch nur begrenzte Erfolge, sodass ihre Lebenserwartung bis in die 1960er Jahre nur 20 bis 30 Jahre betrug.6 Ein wichtiger Schritt zur modernen Hämophilie-Therapie war die Entdeckung von Judith Pool im Jahr 1964, dass in Kryopräzipitat Faktor VIII enthalten ist.6

Die Isolierung von Faktor VIII aus dem Plasma von Spender:innen und die Herstellung aufgereinigter Faktor-VIII-Präparate revolutionierte die Hämophilie-Therapie in den 1970er Jahren.7 Der Dämpfer folgte, als sich in den 1980er Jahren die Hepatitis- und HIV-/AIDS-Fälle unter den Hämophilie-Patient:innen häuften, da sie sich über die Plasma-Präparate mit den Viren infiziert hatten.7 Diese Krise der Hämophilie-Therapie führte zu weiteren Innovationen: Im Jahr 1987 wurde erstmals einem Patienten ein rekombinantes Faktor-Präparat verabreicht, das in den Ovarialzellen des chinesischen Hamsters hergestellt wurde.7 Der vorerst letzte Schritt in der Weiterentwicklung der Faktorpräparate sind Faktorpräparate mit verlängerte Halbwertszeit, die seit 2016 auf dem deutschen Markt verfügbar sind.8

1. Generation: Faktorpräparate aus Blutplasma

Die industrielle Herstellung und kommerziellen Verfügbarkeit von gefriergetrockneten Faktor-VIII-Plasmakonzentraten und Gerinnungsfaktoren, darunter Faktor IX, des sogenannten Prothrombinkomplexes markierten einen großen Durchbruch in den 1970er Jahren.6 Das Neue an diesen Produkten war, dass sie in einfachen Kühlschränken gelagert werden konnten und nur kleine Volumina verabreicht werden mussten, was erstmals die Behandlung von zu Hause aus ermöglichte.6 Die einfachere Handhabung der neuen Produkte veranlasste Forscher in Schweden, Prophylaxeprogramme zu entwickeln statt der bisher üblichen Bedarfsbehandlung bei auftretenden Blutungen.9

Schon bald zeigte sich allerdings die Kehrseite der aus menschlichem Plasma hergestellten Faktorpräparate: In den 1980er begannen sich unter Hämophilie-Patient:innen Hepatitis- und HIV-/AIDS-Fälle zu häufen.9 Als klar war, dass die Infektionen auf die Plasma-Präparate zurückzuführen waren, begannen die Hersteller, ihre Produkte einer Hitzebehandlung zu unterziehen, wodurch die HI-Viren abgetötet werden konnten.7 Mit der Lösungsmittel-Detergenz-Extraktion und Immunaffinitätschromatographie wurden weitere Verfahren entwickelt, um Viren aus den Plasmaprodukten zu eliminieren.7 Durch diese Verfahren konnte die Sicherheit der Plasma-basierten Produkte deutlich erhöht werden. Es blieb jedoch eine Unsicherheit hinsichtlich der Übertragung neuer, bisher unbekannter Krankheiten durch die Plasma-Produkte bestehen.10

2. Generation: Biotechnologisch hergestellte Faktorprodukte

Die Hepatitis- und HIV-Infektionen durch Plasma-basierte Faktorpräparate in der ersten Hälfte der 1980er Jahre waren Anstoß für die Entwicklung biotechnologisch hergestellter Faktorprodukte.7 Einen ersten Erfolg erzielten Forscher, denen es 1984 gelang, das menschliche Faktor-VIII-Gen zu klonen.11 Dies ermöglichte es, das Faktor-VIII-Protein in Säugetierzellen zu synthetisieren. Die so gewonnenen rekombinanten Faktoren sind denen aus menschlichem Plasma sehr ähnlich.11 Bereits im Jahr 1987 wurde ein rekombinantes Faktor-VIII-Präparat erstmals an einem 43-jährigen Hämophilie-Patienten getestet.7 Kommerziell vertrieben werden rekombinante Faktorprodukte seit den frühen 1990er Jahren.7

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3. Generation: Faktorpräparate mit verlängerter Halbwertszeit

Die Halbwertszeit von Faktor VIII beträgt nur etwa zwölf Stunden. Mit 18 bis 24 Stunden ist die Halbwertszeit von Faktor IX etwas länger.12 Aufgrund dieser eher kurzen Halbwertszeiten müssen sich Patient:innen die Faktoren mehrmals wöchentlich injizieren, um spontanen Blutungen vorzubeugen.12 Durch die Entwicklung von Faktorpräparaten mit einer verlängerten Halbwertszeit können die Dosierungsintervalle verlängert und die Anzahl der Injektionen verringert werden.13 Verfahren, um die Halbwertszeit zu verlängern, sind

  • Pegylierung
  • Fusion mit Halbwertszeit verlängernden Proteinen wie IgG-Fc oder Albumin
  • Proteinmodifizierungen.13

Auf diese Weise konnte die Halbwertszeit von rekombinanten Faktor IX-Präparaten auf das 2,5- bis 5-Fache eines herkömmlichen Faktor-IX-Produkts verlängert werden, sodass je nach Produkt nur noch alle sieben bis 14 Tage eine Faktorgabe nötig ist.13

Bei Faktor VIII-Produkten kann die Halbwertszeit unabhängig vom eingesetzten Verfahren nur in etwa um das 1,5-Fache gegenüber einem herkömmlichen Produkt verlängert werden.13 Ein Grund für die geringere Verlängerung der Halbwertszeit bei Faktor-VIII-Produkten im Vergleich zu Faktor-IX-Produkten könnte in der Interaktion von Faktor VIII mit dem Von-Willebrand-Faktor liegen.13 Der größte Teil von Faktor VIII zirkuliert mit dem von Willebrand-Faktor über eine nicht-kovalente Wechselwirkung zwischen FVIII-C1, -C2 und -a3 und der D′D3-Region des Von-Willebrand-Faktors. Die Clearance beider Faktoren erfolgt größtenteils als Komplex über eine Vielzahl von Rezeptoren in Hepatozyten, Makrophagen und sinusoidalem Endothel und wird von vielen Wirts-, Rezeptor- und Von-Willebrand-Faktor-bezogenen Parametern beeinflusst.13 Die Halbwertszeit des Von-Willebrand-Faktors beträgt etwa 15 Stunden, was eine Obergrenze Halbwertszeitverlängerung von Faktor VIII darstellen könnte.13

Referenzen:Nugent D, O’Mahony B, Dolan G, on behalf of the International Haemophilia Access Strategy Council. Value of prophylaxis vs on‐demand treatment: Application of a value framework in hemophilia. Haemophilia 2018;24(5):755–65. Leebeek FWG, Miesbach W. Gene therapy for hemophilia: a review on clinical benefit, limitations, and remaining issues. Blood 2021;138(11):923–31. Thorat T, Neumann PJ, Chambers JD. Hemophilia burden of disease: A systematic review of the cost-utility literature for hemophilia. J Manag Care Spec Pharm 2018;24(7):632–42. Leebeek FWG, Miesbach W. Gene therapy for hemophilia: a review on clinical benefit, limitations, and remaining issues. Blood 2021;138(11):923–31. Oldenburg J. Optimal treatment strategies for hemophilia: achievements and limitations of current prophylactic regimens. Blood 2015;125(13):2038–44. Mannucci PM. Hemophilia therapy: the future has begun. Haematologica 2020;105(3):545–53. Leebeek FWG, Miesbach W. Gene therapy for hemophilia: a review on clinical benefit, limitations, and remaining issues. Blood 2021;138(11):923–31. Holstein K. Therapie der Hämophilie A und B mit Biologika – heute und in Zukunft. https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin/kategorie/medizin/therapie-der-haemophilie-a-und-b-mit-biologika-heute-und-in-zukunft, (aufgerufen am 19.01.2024). Mannucci PM, Franchini M. Present and future challanges in the treatment of haemophilia: a clinician’s perspective. Blood Transfus 2013;(11):s77–81. Franchini M, Mannucci P. Past, present and future of hemophilia: a narrative review. Orphanet J Rare Dis 2012;7(1):24. Franchini M, Lippi G. Recombinant factor VIII concentrates. Semin Thromb Hemost 2010;36(05):493–7.Graf L. Extended half-life factor VIII and factor IX preparations. Transfus Med Hemotherapy 2018;45(2):86–91.Arruda VR, Doshi BS, Samelson-Jones BJ. Novel approaches to hemophilia therapy: successes and challenges. Blood 2017;130(21):2251–6. 
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