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Wissenswertes zu Krankheitsbild und Diagnostik der Hämophilie

Die Hämophilie (Bluterkrankheit) ist eine angeborene Blutungsneigung, die durch einen Mangel bestimmter Gerinnungsfaktoren verursacht wird. Das Wichtigste zu Krankheitsbild und Diagnostik, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Formen und SchweregradeMan unterscheidet mehrere Formen der Hämophilie: Die Varianten A und B sind X-chromosomal-rezessiv vererbte Krankheiten, bei denen es zu einer Gerinnungsstörung bedingt durch einen Mangel an Gerinnungsfaktor VIII (FVIII, Hämophilie A) oder Gerinnungsfaktor IX (FIX, Hämophilie B) kommt.1

Weitere Formen sind die Hämophilie C und die Parahämophilie A, die autosomal-rezessiv vererbt werden. Bei diesen beiden Formen ist die Blutgerinnung durch Fehlen des Faktors XI (Hämophilie C; Rosenthal-Syndrom) bzw. Faktor V (Parahämophilie A; Owren-Syndrom) gestört. Die Angiohämophilie auch bekannt als Willebrand-Jürgens-Syndrom, bei der der von-Willebrand-Faktor fehlt, wird autosomal-dominant vererbt und zählt ebenfalls zu den hämophilien Gerinnungsstörungen.

Abhängig von der jeweiligen im Blut nachweisbaren Faktorrestaktivität wird der Schweregrad der Hämophilie bestimmt (Abb. 1) , da die Restaktivität das Blutungsrisiko und die Ausprägung der klinischen Symptomatik beeinflusst1:
  • mild (Restaktivität: 5–40 %)1
  • moderat (Restaktivität: 1–5 %)1
  • schwer (Restaktivität: < 1 %)1
Abb. 1: Anzahl der Blutungen abhängig von der Faktor-Aktivität sowie die Ursachen (nach: Quelle 2)

Die Zahl jährlicher Blutungen beträgt weniger als eine Blutung bei milden Formen und bis zu 60 Blutungen bei schweren Formen.2 Eine klinische Abgrenzung zwischen mittelschwerer und schwerer Hämophilie ist jedoch oft nicht möglich.1, 2, 14, 15
Symptome und Folgen

Hämophilie wird meist schon im Säuglings- oder frühen Kindesalter diagnostiziert. Verbreitete klinische Symptome (Abb. 2) sind traumatisch induzierte und spontan auftretende Hämarthrosen und Muskelhämatome.16

Abb. 2: Symptome einer Hämophilie (aus: Pfizer Hämophilie Facts)


Während bei der milden Form der Hämophilie Blutungen nur nach größeren Verletzungen, schweren Traumata oder chirurgischen Eingriffen auftreten, kann es bei der schweren Form auch zu spontanen Blutungen kommen, ohne dass eine erkennbare Verletzung vorliegt.2,3 Bei der moderaten Form der Hämophilie treten Blutungen meist erst nach leichten Verletzungen auf, wobei auch Spontanblutungen möglich sind.2

Kennzeichnend für die schwere Form der Hämophilie sind vor allem spontane Einblutungen. Diese sind bei etwa 70 – 80 % der Fälle intraartikulär und bei 5 – 10 % intramuskulär bedingt. Hirnblutungen sind eher selten (weniger als 1 % der Fälle).2,17

Abb. 3: Gelenkblutung und FVIII-Aktivität (nach: Quelle 2)

Unbehandelt und insbesondere ohne Prophylaxe kann eine schwere Hämophilie zahlreiche gesundheitliche Langzeitfolgen haben: Wiederholte spontane Gelenkblutungen führen zur Zerstörung von Gelenkknorpel in Verbindung mit Arthrose und Schmerzen, Immobilität und Osteoporose. Dadurch wird die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränkt und im schlimmsten Fall führen sie zu einer lebenslangen Behinderung.14, 18, 19 Zudem kommt es aufgrund der Ablagerung von Eisen zu einer chronischen Entzündung, die mit einer Neovaskularisation einhergeht. Hierdurch steigt wiederum die Wahrscheinlichkeit neuer Blutungen. Ein Teufelskreis der schmerzhaften Bewegungseinschränkung (Hämophilie-Arthropathie) entsteht.4 Am häufigsten sind Sprung-, Knie- und Ellbogengelenke betroffen – seltener Schulter-, Hand- und Hüftgelenke.2

Epidemiologie

Hämophilie ist eine seltene Erkrankung.5 Nach dem Jahresbericht der World Federation of Haemophilia (WFH) sind weltweit 196.706 Patienten mit Hämophilie erfasst, davon entfallen 80 – 85 % auf die Hämophilie A.1 Weltweit liegt die geschätzte Prävalenz von Hämophilie bei 30 - 40 Betroffenen pro 1 Mio. Personen.5 In Deutschland führt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ein Register für medizinische Forschung und Qualitätssicherung, das Deutsche Hämophilieregister (DHR). 2019 waren in diesem Register über 7000 Patienten mit einer dieser Gerinnungstörungen erfasst.6

Aufgrund der X-chromosomal-rezessiven Vererbung sind fast ausschließlich Männer betroffen. Frauen, die das veränderte X-Chromosom tragen, werden als Konduktorinnen bezeichnet und können eine leichte Blutungsneigung aufweisen. In extrem seltenen Fällen können auch Frauen an Hämophilie erkranken. Nämlich dann, wenn die Mutter Konduktorin und der Vater an Hämophilie erkrankt ist und somit beide Elternteile Träger des defekten Gens sind und dies an die Tochter vererben, wenn es zu einer vollständigen Inaktivierung des gesunden X-Chromosoms (Lyonisierung) kommt oder wenn ein teilweises oder vollständiges Fehlen von Chromosom X, wie beim Turner-Syndrom vorliegt.3

Eine Hämophilie wird nicht ausschließlich vererbt, sie kann auch durch eine spontane Mutation entstehen – das ist bei etwa 30 % der Hämophilie-Patienten der Fall.2

DiagnostikFür die Diagnose einer Gerinnungsstörung können verschiedene Messungen und Parameter herangezogen werden. Zur einfachen Analyse der Blutgerinnung wird meist der Quick-Wert bestimmt, der mittels Thromboplastinzeit (TPZ) angibt, wie schnell das Blut gerinnt. Allerdings liegt die TPZ bei Patienten mit Hämophilie A und B im Normbereich, da nur die Aktivitäten der Gerinnungsfaktoren II, V, VII, X und von Fibrinogen erfasst werden. Deshalb muss für Patienten mit Hämophilie A und B (Faktor VIII und IX) die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) bestimmt werden. Mittels aPTT kann zusätzlich zu Faktor VIII und IX auch eine verminderte Aktivität der Faktoren II, V, X, XI, XII sowie Fibrinogen, Präkallikrein und „Highmolecular- weight Kininogen“ (HMWK) gemessen werden.19,20

Moderne molekularbiologische Methoden erlauben heute den routinemäßigen Einsatz zur Identifikation eines möglichen Gendefekts (Deletion, Rearrangements, und Punktmutationen). Wenn für eine Frau bekannt ist, oder die Vermutung besteht, dass sie Konduktorin der Hämophilie ist, sollte eine Genanalyse durchgeführt werden. Die pränatale Diagnose kann in Schwangerschaftswoche 9 bis 11 durch Chorionzottenbiopsie (CVS) oder zu einem späteren Zeitpunkt (18 oder mehr Wochen) durch eine fetale Blutentnahme gestellt werden.3
Referenzen:Miesbach W et al. Therapiemöglichkeiten der Hämophilie. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 791-8; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0791 https://www.aerzteblatt.de/archiv/210953/Therapiemoeglichkeiten-der-Haem…Srivastava A, Brewer AK, Mauser-Bunschoten EP, et al. Guidelines for the management of hemophilia. Haemophilia 2013;19(1):e1-47.2019].Parth M, Reddivari AKR. Hemophilia. [Updated 2020 Jun 10]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2020 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK551607/Loomans JI et al. Hämophilie. Ned Tijdschr Geneeskd. 2014;158:A7357.World Federation of haemophilia. https://elearning.wfh.org/elearning-centres/introduction-to-hemophilia/#…
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