Therapie

Zur Behandlung der Transthyretin-Amyloidose (ATTR-Amyloidose) steht der Transthyretin-Stabilisator Vyndaqel® zur Verfügung. Zugelassen ist Vyndaqel® in zwei Dosierungen für die folgenden Anwendungsgebiete:

  • Vyndaqel® 61 mg (Tafamidis) ist seit Februar 2020 in Europa zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Wildtyp- oder hereditärer Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) zugelassen.1
  • Seit 2011 ist Vyndaqel® (Tafamidis-Meglumin) 20 mg in der EU für die Behandlung der Transthyretin-Amyloidose bei erwachsenen Patienten mit symptomatischer Polyneuropathie im Stadium 1 (ATTR-PN) zugelassen, um die Einschränkung der peripheren neurologischen Funktionsfähigkeit zu verzögern.2

Erfahren Sie in diesem Video alles Wesentliche zum Wirkmechanismus von Vyndaqel® und dem Krankheitsbild der Transthyretin-Amyloidose

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Vyndaqel®: Erste kausale Therapieoption

Seit Zulassung von Tafamidis 61 mg kann die Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) erstmals mit einer pharmakologischen Therapie kausal behandelt werden.

Die Zulassung basiert auf den Daten der Phase 3-Studie ATTR-ACT (Transthyretin Amyloidosis Cardiomyopathy Clinical Trial) mit 441 Patienten über 30 Monate aus 48 Studienzentren in 13 Ländern. Die ATTR-ACT-Studie ist die erste weltweite, doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte klinische Studie, die eine pharmakologische Therapie in der ATTR-CM untersucht hat.1,3

Die Effektivität und Sicherheit von Tafamidis in der ATTR-CM wurde in zwei Verumarmen mit täglich 4x 20 mg Tafamidis-Meglumin bzw. 20 mg Tafamidis-Meglumin untersucht, die gemeinsam ausgewertet wurden.3


Senkung der Gesamtmortalität und der kardiovaskulär-bedingten Hospitalisierungen

Die Studie zeigte eine um 30 % geringere Gesamtmortalität (p = 0,0259) und 32 % weniger kardiovaskulär bedingte Hospitalisierungen (p < 0,0001) über einen Zeitraum von 30 Monaten. Tafamidis-Patienten ging es außerdem im Vergleich zur Placebogruppe funktionell und hinsichtlich der Lebensqualität deutlich besser. Dies spiegelte sich unter anderem in signifikanten Vorteilen beim 6-Minuten-Gehtest und bei der mittels Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire quantifizierten Lebensqualität wider (p < 0,001).3 Diese Effekte waren bereits sechs Monate nach Studienbeginn nachweisbar. Die kombinierte, hierarchische Betrachtung der Endpunkte Gesamtmortalität und kardiovaskulär bedingte Hospitalisierungen zeigte eine signifikante Überlegenheit von Tafamidis über einen Zeitraum von 30 Monaten hinweg (p = 0,0006). Die Verträglichkeit von Tafamidis war gut, das Sicherheitsprofil war mit Placebo vergleichbar.1,3

Hier finden Sie eine Zusammenfassung der ATTR-ACT-Studie.

 


Tafamidis 61 mg: Bioäquivalente Formulierung zu 80 mg Tafamidis-Meglumin

Vyndaqel® (Tafamidis) 61 mg entspricht 80 mg Tafamidis-Meglumin und hat von der Europäischen Kommission die Zulassung zur Behandlung der ATTR-CM erhalten. Damit Patienten nicht vier 20 mg Tafamidis-Meglumin-Weichkapseln täglich einnehmen müssen, hat Pfizer die Weichkapsel mit 61 mg Tafamidis als freie Säure entwickelt. Tafamidis und Tafamidis-Meglumin sind auf Basis der mg-Angabe nicht gegeneinander austauschbar.1

Die Bioäquivalenz von Tafamidis freie Säure 61 mg und Tafamidis-Meglumin 4 x 20 mg bei vergleichbarer Verträglichkeit wurde in einer Bioäquivalenz-Studie nach wiederholter oraler Einnahme gezeigt.4


Überlegene Wirksamkeit von 80 mg Tafamidis-Meglumin vs. 20 mg

Die Zulassungsstudie ATTR-ACT war nicht für einen direkten Vergleich der beiden Dosierungen von Tafamidis-Meglumin ausgelegt.

Ziel einer Untersuchung mit Daten der ATTR-ACT-Studie und ihrer Verlängerungsstudie war die Differenzierung der beiden Dosisgruppen aus der ATTR-ACT-Studie.5 Betrachtet wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von jeweils 80 mg und 20 mg Tafamidis-Meglumin versus Placebo. Zudem wurden Vergleiche zwischen den beiden Dosisgruppen gezogen.

Die Patienten wurden im Rahmen der Zulassungsstudie über einen Zeitraum von 30 Monaten mit 80 mg oder 20 mg Tafamidis-Meglumin bzw. Placebo behandelt. In der anschließenden Verlängerungsstudie erhielten Verum-Patienten weiterhin dieselbe Dosis, die Patienten der Placebo-Gruppe wurden auf 80 mg oder 20 mg Tafamidis-Meglumin re-randomisiert. Nach einer Änderung des Studienprotokolls wurden alle Patienten auf 61 mg Tafamidis umgestellt. Die Daten aus der Verlängerungsstudie der ATTR-ACT Studie stützen mit einer medianen Beobachtungszeit von 51 Monaten den Einsatz von 80 mg Tafamidis-Meglumin (bioäquivalent zu Tafamidis freie Säure 61 mg) als geeignete Dosierung zur Behandlung der ATTR-CM.5

Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Post-hoc-Analyse und LTE-Studie
 

Tafamidis-Meglumin bei ATTR-PN

Seit 2011 ist in der EU Vyndaqel® (Tafamidis-Meglumin) 20 mg für die Behandlung der Transthyretin-Amyloidose bei erwachsenen Patienten mit symptomatischer Polyneuropathie (ATTR-PN) im Stadium 1 zugelassen, um die Einschränkung der peripheren neurologischen Funktionsfähigkeit zu verzögern.2

Zur Bewertung der langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit von Tafamidis-Meglumin bei ATTR-PN wurde mit Teilnehmern der Zulassungsstudie eine offene Langzeit-Beobachtungsstudie durchgeführt.6 Die Langzeituntersuchungen konnten die Wirksamkeit in Bezug auf die Verzögerung der neurologischen Progression und den Erhalt der Lebensqualität sowie die gute Verträglichkeit von Vyndaqel® 20 mg bestätigen. Um den Krankheitsverlauf der ATTR-PN nachhaltig zu verlangsamen, ist die möglichst frühzeitige Anwendung von Tafamidis-Meglumin wichtig.6,7

Mittlerweile liegen Langzeit-Daten von bis zu 8,5 Jahren vor. Die Analyse weist darauf hin, dass die langfristige Behandlung mit Tafamidis-Meglumin bei Patienten mit ATTR-PN zu einem Überlebensvorteil führen kann.8 Im Verlauf der 8 bis 9 Jahre traten nur wenige Todesfälle unter den mit Tafamidis-Meglumin behandelten Patienten auf.

Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der eingeschränkten Lebenserwartung von Patienten mit ATTR-PN besonders relevant. Bei den Patienten bestanden durchschnittlich 3 – 5 Jahre Symptome, bevor sie in die Studie aufgenommen worden waren. Das geschätzte Überleben von ATTR-PN-Patienten liegt bei ungefähr 10 Jahren (mit erheblichen Schwankungen je nach Geno- und Phänotyp). Ein Großteil der Patienten aus dieser aktuellen Studie ist 8 – 9 Jahre nach Beginn der Tafamidis-Meglumin-Behandlung, also ungefähr 11 – 14 Jahre nach Ausbruch der Erkrankung, noch am Leben.

Überleben von Patienten mit ATTR-PN und ATTRV30M-Mutation (8)

Hier finden Sie eine Zusammenfassung der LTE-Studie mit Mortalitätsanalyse


Referenzen

  1. Vyndaqel® 61 mg, Fachinformation nach aktuellem Stand
  2. Vyndaqel® 20 mg, Fachinformation nach aktuellem Stand
  3. Maurer MS et al. N Engl J Med. 2018;379(11):1007–1016
  4. Lockwood PA et al., Clinical Pharmacology in Drug Development 2020, 0(0) 1–6
  5. Damy T et al., Clinical Pharmacology in Drug Development 2020, 0(0) 1–6
  6. Barroso FA et al. Amyloid 2017;24(3):194–204
  7. Gundapaneni BK et al. Eur J Neurol 2018;25: 464–468
  8. Merlini G et al. Neurol Ther 2020; 9: 105–115