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Amyloidosen – facettenreiche Erkrankungen

Amyloidosen sind eine Reihe von Erkrankungen, bei denen in verschiedenen Geweben Ablagerungen von fehlgefalteten Proteinen entstehen, die die physiologische Gewebestruktur zerstören und dadurch zu Funktionsstörungen der Organe führen.1

Ursachen und Wirkungen

Bei Amyloidosen finden Störungen der Proteinfaltung statt. In der dreidimensionalen Proteinstruktur kommt es dabei zur Ausbildung von Beta-Faltblättern und nicht zu den üblichen Alpha-Helices.2 Die gehäufte Anzahl an Beta-Faltblättern sorgt dafür, dass die Proteine zu Amyloidfibrillen aggregieren. Die Amyloidfibrillen werden extrazellulär abgelagert und sind unlöslich.2

 

ATTR-Amyloidose

Bei der ATTR-Amyloidose kommt es zur Destabilisierung des zu 95 % in der Leber gebildeten tetrameren Transportproteins Transthyretin (TTR), welches zu Monomeren dissoziiert. Die Monomere neigen dann zur Fehlfaltung und Bildung von Amyloidfibrillen. Diese können im Herz, in den Nerven, im Gastrointestinaltrakt und in den Augen akkumulieren und dort zu schwerwiegenden Strukturveränderungen führen.1

Die ATTR-Amyloidose betrifft meist Herz oder Nerven

Eine ATTR-Amyloidose kann nach dem Hauptmanifestationsort differenziert werden. Stehen die kardialen Beschwerden im Vordergrund, wird das Krankheitsbild als ATTR-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) bezeichnet – bei neurologischen Einschränkungen als ATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie (ATTR-PN).2

Adaptiert nach Hund E et al. Aktuelle Neurologie 2018;454:605 – 516.

 

Formen und Prävalenz der ATTR-Amyloidose

Die ATTR-Amyloidose kann altersbedingt auftreten oder hereditär sein

Die ATTR-PN tritt nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließlich hereditär auf. Die ATTR-CM hingegen wird in eine hereditäre Form (ATTRv-CM) (auch variante Form genannt) und eine altersbedingte Wildtyp-Form (ATTRwt-CM) unterschieden.3–6

Die Zahl der Betroffenen könnte höher liegen als bisher angenommen

Die Prävalenz der hereditären ATTR-Amyloidose (ATTRv-Amyloidose) wird in Deutschland auf 1:100.000 geschätzt. Sie geht auf eine autosomal-dominant vererbte Mutation im Transthyretin (TTR) Gen zurück.1

Für die ATTRwt-Amyloidose existieren keine exakten Angaben. Es ist jedoch bekannt, dass die Häufigkeit mit zunehmendem Alter ansteigt. Zudem machen verschiedene Untersuchungen deutlich, dass die altersbedingte ATTR-CM bislang unterdiagnostiziert ist:6

  • Bis zu 13,3 % der älteren hospitalisierten Patient:innen (≥ 60 Jahre) mit HFpEF (bei einer LV-Wanddicke ≥ 12 mm) wiesen in einer Untersuchung eine ATTR-CM auf.3
  • Bei 17 % von 109 verstorbenen HFpEF-Patient:innen fanden sich bei einer Untersuchung post mortem Ablagerungen von ATTRwt-Amyloid im Gewebe des linken Ventrikels, obwohl zuvor kein Verdacht auf eine ATTR-Amyloidose bestanden hatte.7
  • Bei 16 % der älteren Patient:innen (≥ 65 Jahre) mit schwerer Aortenstenose, die sich einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) unterzogen haben, ließ sich eine ATTR-CM nachweisen.8
     

Wichtig:
Die kardiale Beteiligung bei einer ATTR-Amyloidose führt zu einer schlechten Prognose der Patient:innen. Das mediane Gesamtüberleben liegt bei der ATTRwt-CM ohne Behandlung bei 3,6 Jahren ab Diagnosestellung.9 Eine frühe Diagnosestellung ist wichtig, um kausal behandeln zu können.10–12

 

Adaptiert nach Ando Y et al. Arch Neurol 2005;62(7):1057–1062. Merlini G et al. J Intern Med 2004;255(2):159–178. Falk RH et al. N Engl J Med 1997;337(13):898–909. Sekijima Y et al. Curr Pharm Des 2008;14(30):3219–3230. Falk RH et al. N Engl J Med 1997;337(13):898–909. Ruberg F et al. JACC 2019;73(22):2872–2891. Adams D et al. J Neurol 2021;268:2109–2122.

 

Quellen

  1. Maurer MS et al., Circulation 2017,135:1357–1377
  2. Donnelly, J; Hanna M. Cleve Clin J Med. 2017;84(12 Suppl 3):12-26
  3. Hund E et al. Akt Neurol 2018; 45(08): 605-616
  4. Ando Y et al. Arch Neurol 2005; 62(7): 1057–1062
  5. Merlini G et al. J Intern Med 2004;255(2): 159–178
  6. Falk RH et al. N Engl J Med 1997; 337(13): 898–909
  7. Sekijima Y et al. Curr Pharm Des 2008; 14(30): 3219–3230
  1. Mohammed SF et al. JACC Heart Fail 2014;2:113–122.
  2. Castano A et al. Eur Heart J 2017;38:2879–2887.
  3. Grogan M et al. J Am Coll Cardiol 2016;86:1014–1020.
  4. Perugini E et al. J Am Coll Cardiol 2005;46(6):1076–1084.
  5. Rubin J, Marer MS. Annu Rev Med 2020;71:203–219.
  6. Garcia-Pavia P et al. Eur Heart J 2021;42(16):1554–1568.